Interkulturelle Kommunikation wird häufig als technische Aufgabe der Übersetzung verstanden. Diese Sichtweise verdeckt jedoch eine komplexere Realität: Jede Sprache ist von Machtverhältnissen, historischen Erfahrungen und kulturellen Kontexten geprägt.
In kulturellen, journalistischen und institutionellen Praktiken stellt sich daher nicht nur die Frage nach Bedeutung, sondern nach den Bedingungen ihrer Produktion und Zirkulation.
Sprache als Struktur der Wahrnehmung
Sprache beschreibt nicht nur Realität, sie strukturiert sie.
Wörter, Narrative und Ausdrucksformen sind in historische und soziale Kontexte eingebettet, die ihre Interpretation prägen. Derselbe Ausdruck kann je nach kulturellem Umfeld unterschiedliche Bedeutungen entfalten.
Interkulturelle Kommunikation bedeutet daher weniger Gleichsetzung als Kontextualisierung.
Die Grenzen der Übersetzung als neutraler Akt
Übersetzung wird oft als transparente Übertragung verstanden. Tatsächlich basiert sie jedoch auf Entscheidungen und Interpretationen.
Kulturelle, soziale und politische Begriffe sind selten direkt übertragbar. Sie enthalten implizite Bedeutungen, die über die reine Sprachebene hinausgehen.
Ohne Kontext kann Übersetzung zu Verzerrungen oder Vereinfachungen komplexer Realitäten führen.
Professionelle Verantwortung in kulturellen Praktiken
In journalistischen und kulturellen Feldern ist Kommunikation nie neutral.
Akteur:innen tragen zur Konstruktion öffentlicher Wahrnehmung bei. Dies erfordert eine reflektierte Haltung gegenüber den eigenen Kategorien und Deutungsmustern.
Interkulturelle Kommunikation setzt daher eine selbstkritische Praxis voraus.
Internationale Kooperationen und strukturelle Unterschiede
In Kooperationen zwischen Europa und Afrika werden diese Spannungen besonders sichtbar.
Unterschiedliche institutionelle Rahmenbedingungen, historische Erfahrungen und strukturelle Ungleichheiten beeinflussen Kommunikationsprozesse maßgeblich.
Internationale Kulturinstitutionen bieten zwar Rahmenbedingungen, doch entscheidend ist die konkrete Umsetzung in der Praxis.
Fazit: Kommunikation als Raum der Aushandlung
Interkulturelle Kommunikation ist keine technische Zusatzkompetenz.
Sie ist ein Raum permanenter Aushandlung zwischen Sprachen, Kontexten und Bedeutungsordnungen.
Kommunikation bedeutet in diesem Sinne nicht nur Übertragung, sondern die bewusste Gestaltung von Beziehungen und Bedeutungen.


